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Mein Studium war das Leben

Leo Hillinger (52) ist Bioweinbauer, Unternehmer, Hochleistungssportler, Investor und Vater. Im STEIL-Interview erzählt er, wie er sich mit viel Konsequenz zum Unternehmer entwickelt hat, wie er anderen Produzenten hilft, ihren Produktionsweg zu optimieren, weshalb ein hochwertiges Produkt wichtiger ist als jedes Marketing und dass er lieber auf seinen Gaumen als auf Trends setzt.

Sie haben aus dem einst verschuldeten Weingeschäft Ihrer Eltern ein Millionenimperium gemacht. Was ist Ihr persönliches Erfolgsrezept?

Konsequenz, Konsequenz, Konsequenz. Mein Vater war ursprünglich reiner Weinhändler, hat also Wein und Trauben zugekauft, verarbeitet und in Zwei-Liter-Flaschen gefüllt. Mein Einstieg war dann 1990, wobei ich sehr viele Niederlagen durchleben musste – zu Beginnzeiten vor allem Schulden und ein schlechter Kundenstamm. Das war eine sehr harte Zeit, aber das ist die Schule des Lebens und das Schöne am Leben – das nimmt mir keiner weg. Man muss natürlich eine gewisse Art an Lebenserfahrung mitnehmen, das hat sich ja auch nicht von heute auf morgen entwickelt. Von meiner Erfahrung können jetzt wiederum meine zwei Kinder profitieren, die auch beide ins Unternehmen einsteigen wollen. Mein Sohn produziert bereits seinen ersten Wein. Ich selbst habe weder die Matura noch ein Studium absolviert – mein Studium war das Leben. Ich habe mich also zum Unternehmer entwickelt. Zum Unternehmer wird man ja nicht geboren, man entwickelt sich viel mehr dazu. Bei meinem Auslandsaufenthalt in den USA konnte ich sehr viele Innovationen nach Österreich bringen.

Sie sind Winzer, Investor und überraschen stetig mit neuen Projekten. Wie bringen Sie das alles unter einen Hut? Was ist Ihre größte Motivation?

Ich bin derzeit bei 25 Unternehmen zu mehr als die Hälfte beteiligt. Weiters habe ich vier Immobilienfirmen. Ich gehe oft von einem Meeting zum anderen, da bleibt wenig Zeit zwischendurch. Da muss nicht nur der Körper gesund sein, sondern auch der Kopf – nur so kann man konsequent seinen Weg gehen. Viele Menschen fragen mich, warum ich so viel arbeite. Meine Antwort ist: Ich arbeite nicht viel. Ich habe noch nie in meinem Leben gearbeitet. Wenn ich ein Geschäft leite, dann muss ich es machen.

Wie haben Sie es geschafft, Ihre Weine im Hochpreissegment klar zu positionieren? Was unterscheidet die Hillinger-Weine von denen anderer Winzer?

Ich bin seit zwölf Jahren Biobauer. Da ich keine Schulden mehr habe, kann ich meine Konsequenz auch im Qualitätsbereich ausleben. Du kannst nur Marketing für ein gutes Produkt machen. Ein schlechtes Produkt und gutes Marketing sind der schnelle Tod, daher versuche ich, das Beste aus der Qualität zu holen. Ich biete allerdings nicht nur hochpreisige Weine an. Derzeit arbeite ich mit Hofer unter dem Namen „Flat Lake“ an einem Projekt zusammen, um exklusiv einen preisgünstigen Wein anbieten zu können. Dabei helfe ich Produzenten, den kompletten Produktionsweg zu optimieren und gemeinsam Weine herzustellen. Verwendet werden allerdings nicht meine Weintrauben, sondern jene von deren Reben. Den fertigen Wein verkaufe ich wiederum an die Lebensmittelhandelskette weiter. Dieser Wein ist vom Preis unschlagbar. Denkt man weiter, kann man dies als „Einstiegsdroge“ meiner Weine sehen.

Sie werden oft als wahres Marketinggenie porträtiert. Wie gestalten Sie Ihre Customer Experience, um sich vom Wettbewerb zu differenzieren?  

Jede Flasche ist ein Marketinginstrument. Angenommen, man veranstaltet ein Fest. Beim Fest beginnst du dann zu sparen. Der Kunde kommt aufs Fest und kommt nie wieder. Und das vergisst aber jeder: Das erzählt er weiter! Wenn das Fest gut ist in Österreich, dann erzählt er nichts. Wenn es allerdings schlecht ist, wird er es jedem weitererzählen. Das hochwertige Produkt mit einem darauf abgestimmten Marketing steht also im Vordergrund.

Welche Auflagen müssen beim Einstieg in den österreichischen Weinbau beachtet werden? Welche Ausbildung/welches Fachwissen ist notwendig?

Es ist generell nicht einfach, als No-Name in den Weinbau überhaupt einzusteigen. In Österreich kann man auch keine Ackerfläche als Weinbau widmen. Hier muss also schon ein Betrieb mit Weinbau vorhanden sein. Das Fachwissen ist Grundvoraussetzung. Man braucht aber auf jeden Fall die Liebe zum Produkt. Du kannst nicht, nur weil es dir deine Eltern gesagt haben, Wein produzieren. Du musst den Wein selbst und die Arbeit im Weinkeller und bei den Reben schlicht lieben. Aber gleichzeitig auch Unternehmer zu sein und den Wein zu verkaufen, das ist die Kunst in der Branche. Und Menschen haben ja auch Talente, die man spezifisch fördern sollte. Wenn der eine Trauben produzieren kann, dann muss der andere Trauben einkaufen, Wein daraus machen und verkaufen.

In einem Joint Venture produzieren Sie auch Weine in Südafrika. Was waren Ihre Beweggründe, Weinbau in Südafrika zu betreiben?

Ich bin in einem Gebiet, das sehr europäisch ist, auf der Rückseite des Tafelbergs. Also eine sehr grüne Region mit riesengroßen Eichenbäumen und Palmen. Das Klima mit sehr viel Niederschlag kommt mir da auf jeden Fall zugute. Außerdem sind die jungen Leute vor Ort besonders motiviert und es macht Spaß, mit ihnen zu arbeiten.

Was liegt zurzeit im Weinbau im Trend? Setzen Sie mit Ihren Weinen oft Maßstäbe für Ihre Mitbewerber?

Das mit den Trends ist immer so eine Sache. Hillinger-Weine sind keine Fashion. Wir sind traditionsbewusste Menschen. Es gibt zurzeit diesen Trend des Orange-Weins. Ich finde es okay, wenn sich gewisse Nischen auf diese Produkte konzentrieren, mein Bereich ist es nicht und man muss auch nicht jeden Trend mitmachen. Ein Trend kommt und geht schließlich wieder. Mein Trend ist, was ich gerne trinke. Den Maßstab setzen schließlich die Endverbraucher.

Bei Hillinger Cosmetics handelt es sich um eine Pflegelinie, die durch die Sendung „2 Minuten 2 Millionen“ entdeckt wurde. Was bestärkte Sie dazu, einen Schritt in die Kosmetikindustrie zu setzen?

Ich habe Beerenhaut und Traubenkerne weggeschmissen und genau in diesen sind die meisten Antioxidantien enthalten. Mit den Kosmetikprodukten kann ich also die Abfälle der Weinproduktionen bestenfalls nutzen. Durch den Pitch bei „2 Minuten 2 Millionen“ bin ich dann schlussendlich auf die Idee gekommen. Wir haben an den Produkten extrem geforscht und sie sind sehr hochwertig.

Verwenden Sie die Produkte Ihrer Kosmetiklinie auch selbst?

Selbstverständlich! Alles – von der Bodylotion bis zum Peeling. Unsere Produkte enthalten wirklich nur das Beste. Ich war ursprünglich nicht der Kosmetiktyp, aber mittlerweile weiß ich, was die Haut braucht.

In der Puls4-Show „2 Minuten 2 Millionen" unterstützen Sie als Business Angel junge Unternehmen. Wie kann man Sie von einer Geschäftsidee überzeugen?

Die Idee muss umwerfend sein: also unique und mich wirklich überwältigen. Dann muss ich das „Unternehmerglänzen“ in den Augen sehen. Bewertungstechnisch ist es mir wichtig, dass die Start-ups einfach am Boden bleiben.

Sie haben immer neue Vorhaben in der Pipeline und strotzen nur vor vielfältigen Ideen. Was sind die nächsten Ziele?

Wir bauen jetzt gerade in Neusiedl am See ein Wohnprojekt mit ca. 15 Einheiten. Die Bootsanlagestelle befindet sich direkt beim Haus. Es sind auch ein paar Investmenttätigkeiten und Übernahmen von anderen Firmen geplant. Da kommt also noch einiges. 

Welche Tipps können Sie den WU-Studierenden für eine erfolgreiche Karriere mitgeben?

Drei Tipps: Konsequenz, Konsequenz, Konsequenz. Es gibt kein klares Rezept, jeder Mensch ist anders und setzt andere Prioritäten in seinem Leben. Charaktere entscheiden verschiedene Dinge unterschiedlich.

- von Magdalena Möslinger-Gehmayer und Lukas Wanzenböck

Autorin
STEIL Magazin
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